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Dienstag, 10. September 2013

RAM-Disk

Ideen für die RAM-Disk
Pietro Scherer
 
Eine RAM-Disk ist ein Laufwerk, das nur im Arbeitsspeicher existiert. Wie Sie eine RAM-Disk einrichten und wofür Sie sie einsetzen können, das lesen Sie hier.

Eine RAM-Disk stellt einen Teil des Arbeitsspeichers unter Windows so zur Verfügung, als handle es sich um einen tatsächlich vorhandenen Datenträger. Die RAM-Disk bekommt also einen Laufwerkbuchstaben. Eine  solche RAM-Disk lässt sich als SSD-Ersatz, als SSD-Schoner, als Datenschredder oder als Programme-Turbo verwenden.

RAM-Disk: Den hier geöffneten Datenträger mit dem Buchstaben „R:“ gibt es gar nicht. Es handelt sich in Wirklichkeit um einen Teil des Arbeitsspeichers

RAM-Disk: Den hier geöffneten Datenträger mit dem Buchstaben „R:“ gibt es gar nicht. Es handelt sich in Wirklichkeit um einen Teil des Arbeitsspeichers

Wie das funktioniert, welche Software Sie dazu benötigen und wie Sie die RAM-Disk dann einsetzen, lesen Sie in diesem Artikel.

Was ist eine RAM-Disk?

Eine RAM-Disk ist ein virtueller Datenträger. Das bedeutet, dass keine physische Entsprechung wie eine Festplatte, eine SSD, ein USB-Stick oder ein DVD-Laufwerk existiert. Die RAM-Disk existiert lediglich im Arbeitsspeicher.

Dazu zweigt zum Beispiel ein Programm wie RAM Disk einen Teil des Arbeitsspeichers ab und stellt ihn als Datenträger bereit, der von Windows einen eigenen Laufwerkbuchstaben bekommt. Die RAM-Disk

verhält sich wie ein ganz normales Laufwerk. Mit dem Windows-Explorer und anderen Programmen lassen sich auf der RAM-Disk dann Ordner und Dateien erstellen, bearbeiten und auch löschen.

Es gibt aber zwei Unterschiede zu normalen Datenträgern. Erstens wird eine RAM-Disk durch Treiber und Programme simuliert. Sie ist also erst verfügbar, wenn Windows und das RAM-Disk-Programm gestartet wurden. Festplatten und SSDs stehen schon nach der Initialisierung des Rechners durch das BIOS oder UEFI bereit, sodass sich dort ein Betriebssystem installieren lässt.

Zweitens gehen alle Dateien und Ordner, die Sie auf einer RAM-Disk speichern, direkt nach dem Ausschalten des Rechners verloren. Denn RAM ist ein flüchtiger Speicher, der seine Daten nur dann behalten kann, wenn er unter Strom steht.

RAM-Disk schneller als SSD
Tempovergleich: Im direkten Vergleich erreichte eine RAM-Disk auf unserem Testsystem die 61-fache Leserate einer Festplatte und die 12-fache Leserate einer SSD

Tempovergleich: Im direkten Vergleich erreichte eine RAM-Disk auf unserem Testsystem die 61-fache Leserate einer Festplatte und die 12-fache Leserate einer SSD

Eine RAM-Disk ist schnell – sehr schnell. Denn die Dateien werden direkt in den Arbeitsspeicher geschrieben und direkt aus dem Arbeitsspeicher gelesen. Die Datenrate liegt also um ein Vielfaches höher als bei SSDs und Festplatten.

Heute üblicher DDR3-Arbeitsspeicher mit einem Takt von 1600 MHz erreicht eine maximale Datenrate von 25.600 MByte/s, als RAM-Disk verwendet schaffte er in unserem Test lesend immerhin 5861 MByte/s. Gute SSDs kommen hingegen auf um die 500 MByte/s, schaffen also nur ein Zwölftel der Datenrate der RAM-Disk.

Keine dauerhafte Speicherung
Der Flüchtigkeit der RAM-Disk lässt sich entgegenwirken. Dazu wird beim Herunterfahren von Windows der gesamte Inhalt der RAM-Disk in eine Image-Datei geschrieben. Zwar verliert die RAM-Disk nach dem Ausschalten des PCs trotzdem ihren Inhalt, es existiert aber eine vollständige Kopie der Daten in einer Datei, die auf der Festplatte oder der SSD gespeichert wird.

Beim nächsten Start des PCs initialisiert das Tool RAM Disk die RAM-Disk neu, liest die beim letzten Ausschalten geschriebene Image-Datei ein und kopiert den gesamten Inhalt in die neu initialisierte RAM-Disk.

2 GByte RAM genügen schon
Sie benötigen nicht übermäßig viel Arbeitsspeicher, um eine RAM-Disk zu erstellen. Verwenden Sie aber immer nur einen kleinen Teil des Arbeitsspeichers.

Arbeitsspeicher wird sowohl für das Betriebssystem als auch für die ausgeführten Programme benötigt. Windows lädt die kompletten Programme zur Ausführung in den Arbeitsspeicher und die Programme legen im RAM verschiedenste Daten ab.

Für Windows 7 sind deshalb mindestens 1 GByte Arbeitsspeicher notwendig. Alles darunter
bremst den Rechner unnötig aus. Denn wenn der Arbeitsspeicher vollläuft, dann lagert Windows nicht dringend benötigte Daten auf die Festplatte oder die SSD aus. Und diese Auslagerungsarbeit bremst den gesamten Rechner aus.

1 GByte: Verfügt Ihr Rechner nur über 1 GByte Arbeitsspeicher, dann verzichten Sie auf den Einsatz einer RAM-Disk. Die Geschwindigkeitsnachteile würden überwiegen.

2 GByte: Haben Sie 2 GByte Arbeitsspeicher, dann können Sie der RAM-Disk ruhig 128 bis 256 MByte zuteilen. Das reicht, um die RAM-Disk als SSD-Schoner zu verwenden.

4 GByte: Bei 4 GByte Arbeitsspeicher dürfen Sie bereits großzügig sein und der RAM-Disk bis zu 1 GByte Kapazität zuteilen. Die RAM-Disk eignet sich dann als Programme-Turbo und SSD-Schoner.

Ab 8 GByte: Ab 8 GByte Arbeitsspeicher können Sie für die RAM-Disk bis zu 4 GByte abzweigen. Die RAM-Disk eignet sich dann für alle vorgeschlagenen Einsatzzwecke.

Nur 4 GByte für die RAM-Disk
Bei 4 GByte ist aber auch die Grenze erreicht. Denn RAM-Disks mit mehr Kapazität als 4 GByte lassen sich mit der Freeware-Version von RAM Disk nicht erstellen. Dazu müssten Sie erst die Kaufversion des Programms erwerben.

Keine gute Idee I: Auslagerungsdatei auslagern
Auf eine Idee, die in diversen Foren herumgeistert, sollten Sie besser verzichten, nämlich die Auslagerungsdatei von Windows auf einer RAM-Disk abzulegen. Das wäre kontraproduktiv.

Ein Teil der Auslagerungsdatei ist zum Beispiel „C:\pagefile.sys“. In diese Datei lagert Windows alle Daten aus, die nicht mehr in das RAM passen, weil Ihr PC entweder zu wenig Arbeitsspeicher hat oder Sie zu viele Programme gleichzeitig ausführen.

Wenn Sie die Auslagerungsdatei von Windows auf eine RAM-Disk verlegen, dann füllen Sie das RAM mit Daten, die dort nicht hineingepasst haben und deshalb ausgelagert wurden.

Keine gute Idee II: Adobe Photoshop tunen
Photoshop nutzt immer sämtlichen verfügbaren Arbeitsspeicher. Photoshops Auslagerungsdatei auf die RAM-Disk zu verlegen lohnt also auch nicht, weil Sie so den Arbeitsspeicher reduzieren.

RAM-Disk erstellen
Zuerst installieren Sie das Tool RAM Disk. Es konfiguriert die RAM-Disk und installiert alle notwendigen Treiber. Zum Schluss müssen Sie die RAM-Disk noch formatieren.

RAM Disk installieren
Starten Sie das Installationsprogramm von RAM Disk. Klicken Sie zuerst auf „Next“ und bestätigen Sie danach die Lizenzvereinbarung, indem Sie die Option „I accept the license agreement“ wählen. Klicken Sie dann viermal auf „Next“ und bestätigen Sie die Rückfrage der Benutzerkontensteuerung mit „Ja“.

Beenden Sie die Installation mit einem Klick auf „Finish“.

RAM-Disk konfigurieren
Rufen Sie RAM Disk aus dem Startmenü von Windows auf, indem Sie auf „Start, RAMDisk Konfiguration Utility“ klicken. Das Tool benötigt Administratorrechte. Bestätigen Sie daher die Rückfrage der Benutzerkontensteuerung mit einem Klick auf „Ja“.

Schließen Sie das Werbefenster, das zum Kauf einer Lizenz auffordert, einfach mit einem Klick auf das rote X in der Titelleiste.

Auf den folgenden Registerkarten konfigurieren Sie Ihre RAM-Disk.

Settings: Hier legen Sie die grundsätzlichen Eigenschaften der RAM-Disk fest. Geben Sie in das Feld „Disk Size“ die Menge an Arbeitsspeicher in Megabyte ein, die für Ihre RAM-Disk verwendet werden soll. Rechts daneben wählen Sie das Dateisystem für die RAM-Disk. Unabhängig davon, wofür Sie die RAM-Disk verwenden, wählen Sie hier immer „Unformatted“. Formatieren Sie die RAM-Disk dann später mit NTFS.

Load/Save: Wenn der Inhalt der RAM-Disk beim Ausschalten des Rechners gespeichert und beim nächsten Start von Windows wieder geladen werden soll, dann legen Sie das hier fest. Setzen Sie erst ein Häkchen bei „Save Disk Image on Shutdown“. Legen Sie dann einen Speicherort und einen Dateinamen fest, idealerweise auf Ihrer Datenpartition, etwa D:\ramdisk.img.

Setzen Sie auch ein Häkchen bei „AutoSave“, dann wird der Inhalt der RAM-Disk alle 300 Sekunden gespeichert. Erstellen Sie die Datei mit „Save Disk Image Now“.

Setzen Sie danach ein Häkchen bei „Load Disk Image at Startup“. Geben Sie bei „Filename“ den gleichen Dateinamen wie zuvor ein, etwa D:\ramdisk.img. Wählen Sie „File, Save Settings“, um diese Einstellungen zu speichern.

Event Log und Options: Die auf diesen Registerkarten angebotenen Optionen brauchen Sie für den normalen Einsatz der RAM-Disk nicht.

Erster Start und Konfiguration
Sobald Sie alles konfiguriert haben, klicken Sie auf „Start RAMDisk“. Beim ersten Start installiert RAM Disk noch alle notwendigen Treiber unter Windows. Bestätigen Sie die Installation der Gerätesoftware daher mit „Installieren“.

Sobald die RAM-Disk erfolgreich initialisiert wurde, steht in der Statuszeile von RAM Disk der Hinweis „Dataram RAMDisk started successfully“.

Beenden oder umkonfigurieren lässt sich die RAM-Disk, indem Sie auf „Stopp RAMDisk“ klicken.

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